Die Walliserwoche

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Mittwoch, 22. September 2021. Sonne! Tief „Sven“ hat sich offenbar verabschiedet, der „Wilde Westen“ scheint gezähmt zu sein. Wir satteln unsere E-Pferde, koppeln den Anhänger an und laden unser kleines schwarzes Fohlen Arico ein. Hüüüahhh, Cresta, hüüüahhh! (Cresta ist die Marke unserer E-Bikes)

Wir liebäugeln mit einer Walliser-Reben-und-Wein-Velotour rund um das Salgescher Weingebiet. Unser erstes Ziel führt uns durch den grössten Föhrenwald von Mitteleuropa, dem Pfynwald, nach Leuk-Susten. Das Dorf mit seinen mittelalterlichen Gassen und dem mächtigen Bischofschloss aus dem 16. Jahrhundert lädt zu einem Rast ein, und so verschlägt es uns ins kleine Burgcafé, wo sich uns ein schmackhaftes Walliserplättchen mit Roggenbrot derart aufdrängt, dass wir es schlichtweg und gnadenlos bis auf den letzten Krümmel verspeisen.

Wir schlendern noch ein Weilchen durch das Städtchen Leuk, gönnen Arico einen Spazier ausserhalb seines Planwagens, bevor wir uns wieder in die Sättel schwingen und unter traumhafter Aussicht Richtung Westen traben, äh, trampen, meine ich natürlich. Also, in die Pedalen trampen, um genau zu sein.

Wir erreichen bald Varen, ein kleiner, schöner Ort mit wahrscheinlich mehr Weinkellereien als Kirchenbänke. „Wein auf Bier, das rat‘ ich dir!“ hiess es doch mal irgendwo, und so kommt es, wie es kommen musste, wir geraten in einer kleinen, einheimischen Weinkellerei in eine Degustation. Jaja, freiwillig natürlich. Wir erfahren einiges über die hiesigen Reben und deren Verarbeitung, verbunden mit viel Handarbeit. Wir dürfen dabei sein, wie der aktuelle Zuckergehalt der Trauben gemessen wird, während die nette Bedienung dafür sorgt, dass unsere Gläser nie austrocknen. Wir geniessen es, und eine gute Stunde später – oder vielleicht zwei, also, Gläser waren es einige mehr – können wir Arico mit viel Leckerlis davon überzeugen, dass er seinen Liegeplatz im Planwagen nun mit zwei Kartons Wein teilen muss.

Langsam ist es Abend geworden. Der Heimweg ist ein Traum, Aussicht und Trauben, soweit das Auge reicht. Es hat merklich abgekühlt. Susanne und ich sind uns einig, das Weindorf Salgesch, das wir bald erreichen, müssen wir grosszügig umschiffen, denn hier reiht sich Kellerei an Kellerei, und weitere, ausgedehnte Degustationen wären fast unverantwortlich, denn unsere Stahlrösser haben weder Sicherheitsgurte noch Stützräder.

Zufrieden mit den heutigen Erlebnissen und mit einem herrlichen Traubenaroma im Abgang erreichen wir Zwirbel. Arico hat nun einen ausgedehnten Spaziergang verdient, und so endet unsere idyllische Weintour nicht im Wilden Westen, sondern mit einem leichten Sonnenbrand auf der Stirne im sonnigen Unterwallis. Übrigens, Bild 1 wiederspiegelt nicht etwa unsere Schlagseite, sondern wir haben bloss die Kamera etwas schräg gehalten!

Gute Nacht, und wir sehen uns!

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