Sommerferien im Bündnerland, Teil 2

Teil 2, Seite 8

Sonntag, 1. August 2021.

Feiertag. Nationalfeiertag. Und es regnet. Schade zwar, aber perfekt, der Brandgefahr durch herumfliegende Feuerwerkskörper wegen. Arico zuliebe bleiben wir vorwiegend in Zwirbel, denn ganz geheuer ist ihm die Knallerei nicht, was ihn allerdings nicht daran hindert, Susannes 1. August Deko zu schnappen, um Fussball damit zu spielen.

Wir geniessen das feurige Spektakel durch Zwirbels Sky Roof und sind erleichtert, dass es gegen 23 Uhr zunehmend ruhiger wird. Na dann, bis morgen!


Montag, 2. August 2021.

„Frau Sonne, ich muss mit dir reden, wenn du schon einmal da bist! Weisst du eigentlich, dass du jetzt Hochsaison hättest? Machst du gerade Ferien oder was? Gut, wenigstens zeigst du dich heute ausnahmsweise wieder einmal, aber schleiche bitte nicht wieder mitten im Tag ab, wenn man so schön am Wandern ist! Was? Ahhh, ich verstehe, Kurzarbeit wegen Corona, soso. Und Home Office auch noch? Ach, du wohnst zuhinderst am Ende der Milchstrasse, darum sieht man dich nicht, Potztausend aber auch! Frau Sonne, eine letzte Frage noch, warum musst DU Kurzarbeit leisten, und der noble Herr Schlechtwetter mit seiner Gewitterfrisur nicht? Ach so, der hat eine Kaderstelle und muss vor Ort sein, alles klar.“ Oh mein Gott…

Ich gebs auf und rüste mich für die heutige Wanderung über das Heidbüel nach Parpan.

Susanne packt schon mal den Rucksack, denn sie will heute hoch hinaus und die ersten 650 Höhenmeter zusammen mit Arico zu Fuss absolvieren, während ich diese mit der Gondelbahn bezwingen werde. Gerne gewähre ich den Beiden die knapp zwei Stunden Vorsprung, bringe unterdessen Zwirbels Wohnhöhle auf Vordermann und mache mich dann auf den Weg zur Portalbahn, die mich in wenigen Minuten auf das 1925m hohe Heidbüel bringt. Genau, jenes Heidbüel, welches wir schon am Montag aufsuchten und auf jener Wanderung nur geschlossene Bergbeizen vorfanden. Die Gegend gefällt uns trotzdem, und wir wappnen uns diesmal mit vorbeugenden Massnahmen, um der drohenden Unterernährung entrinnen zu können. «Chillihütta» heisst das Zauberwort, denn die hat geöffnet. Sagt man.

Vom Heidbüel aus führt mich der Weg in Richtung Alp Stätz, wo ich kurz darauf Susanne und Arico treffe. Sie haben einen steilen Aufstieg hinter sich, und Susanne freut sich, dies mit Arico zusammen gemeistert zu haben. Gut gemacht, ihr zwei, ich hätte das nicht geschafft ohne Sauerstoffzelt!

Wir erreichen die Alp Stätz mit grosszügig angelegtem Restaurant. Aber die einzige hörbare Aktivität hier oben ist das Schmatzen und Grunzen der benachbarten Alpschweine. Der Weg führt uns weiter bis zu einer Abzweigung, welche uns mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die Nähe des Zauberwortes bringt, denn die geöffneten Sonnenschirme vor der Chillihütta sind bereits sichtbar.

Im Winter geht hier offenbar die Post ab. Gesponsert von Swizly, Kindschi und Chopfab, alles Marken, die dem Alkohol nicht abgeneigt sind, sowie die mit farbigen Discoflasher und Druckkammerlautsprecher gespickte Aussenwand präsentiert sich die Chillihütta als Treffpunkt für Skihasen und Parylöwen. Doch jetzt, im Sommer, rockt kein DJ Ötzi, und die Speisekarte fällt eher spärlich aus. Wurst und Käse, Alpschweinspeck und Salsiz, das wars. Immerhin, Susannes Käsebrättli und mein Wurstsalat waren reichhaltig und schmackhaft, und der ordentlich gestampfte Chrütter-Lutz war ebenfalls nicht von schlechten Eltern.

Verpflegt, gesättigt und zufrieden treten wir den Heimweg an. Es geht zünftig talwärts, und kurz vor Sartons zweigen wir ab nach Norden Richtung Parpan. Irgendwie geraten wir in einen schwarzen Biketrail, stellen dann aber fest, dass dies gleichzeitig der Wanderweg ist. Während Susanne und ich die Wanderstöcke hervorkramen, ist Arico der einzige das Trupps, der diesen Abstieg mit Bravour meistert. Logisch, der hat ja auch vier Beine!

Parpan kann man kaum durchqueren, ohne an zwei einheimischen Highlights vorbeizukommen. Der Bauernbetrieb Wisler mit seinem Hofladen für hofeigene Kulinarik, und die Fleischtrocknerei Brügger, seit 1892 als Begründer der professionellen Fleischtrocknerei bekannt. Klar werden die beiden Läden geentert, allerdings mit bedachtem Griff in die Regale, denn Handarbeit und die damit verbundene Qualität der Produkte hat ihren Preis.

Eine halbe Stunde später sind wir zuhause bei Zwirbel. Susanne ist nach dieser Tour sichtlich gerädert, Arico legt sich auf Zwirbels Hubbett schlafen und ich, ich schaffe es gerade noch, eine Büchse Calanda unter Einsatz der verbleibenden Kräfte zu öffnen, um unsere Wanderrouten zu studieren.

Nein, kochen mag heute niemand mehr, wir entschliessen uns für auswärts und landen im Hotel Restaurant Post unweit von hier. Zu sagen bleibt nur noch, Familienbetrieb, einheimische Produkte, gutbürgerliche Küche, günstige und faire Preise, Bingo!

Gute Nacht und bis morgen auf…

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2 Gedanken zu “Sommerferien im Bündnerland, Teil 2

  1. Marianne Zehnder 3. August 2021 / 18:51

    👍🤗🍀❤️

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